Reiseblog Südamerika
Argentinien, El Chalten, Ende Januar 2026
Ein Dorf das gegründet wird um seine Grenzansprüche gegenüber dem Nachbarland zu untermauern, klingt für uns nach wilden Westen. El Chalten liegt auch wirklich im Westen, im Westen von Argentinien. Das Dorf wurde erst 1985 gegründet und liegt nahe dem Südlichen Patagonischen Eisfeld und dem nicht definierten Grenzgebiet, das von Argentinien und Chile als ihr Hoheitsgebiet betrachtet wird. Es bietet aber nicht nur eine etwas absurde Gründungsgeschichte, sondern auch eine Wunderschöne und weltberühmte Aussicht auf die Berge Fitz Roy und Cerro Torre. So schön, dass sie das Logo der Marke Patagonia zieren.
Wir verbringen länger als gedacht im dem überraschend entspannten und doch sehr touristischen Dorf, wandern zu diversen Lagunen, sind mehrere Tage mit Rucksack und Zelt unterwegs und finden Verwendung für die mitgebrachte Hochtourenausrüstung.

Argentinien, El Chalten, Huemul Circuit, Ende Januar 2026

Argentinien, Perito Moreno Gletscher, Ende Januar 2026
Ein Gletscher, der trotz Klimakrise noch wächst. Das hört sich nach einem kleinen Wunder an, doch genau das soll auf den Perito-Moreno-Gletscher zutreffen. Nach kurzer Recherche stellt sich das aber als Mythos heraus: Die Eismasse zieht sich zwar weniger schnell zurück als anderswo, verliert aber in der Zwischenzeit bis zu 5 Meter an Höhe pro Jahr. Auch wenn der Gletscher kein Klimawunder ist, so bleibt er immerhin ein unglaubliches Naturwunder. Immer wieder krachen große und kleine Eisberge geräuschvoll in den See. Ein Schauspiel, das uns fest in seinen Bann zieht. Wir können uns kaum von seinem Anblick losreißen, und so verbringen wir einen ganzen Tag in Sichtweite, die Kamera im Anschlag, um keinen Gletscherabbruch zu verpassen. Todmüde fallen wir am Abend ins Bett, mit 700 Fotos auf der Kamera und noch viel mehr im Kopf.

Chile, Torres del Paine, Mitte Januar 2026

Chile, Cabo Forward, Mitte Januar 2026
Zurück auf dem Chilenischen Festland, beschliessen wir spontan, eine mehrtägige Wanderung zum Cabo Forward zumachen. Das Cobo Forward ist der Südlichste Punkt auf dem Südamerikanischen Festland und kann nur zu Fuss oder per Schiff erreicht werden. Das Wetter ist nicht Top, aber für diese „Strandwanderung“ reicht es allemal, denken wir uns. Nach dem dritten Fluss den wir durchwateten und dem hundertsten Baum den wir überkletterten, haben wir unsere Einschätzung längst revidiert. In strömendem Regen erreichen wir am dritten Tag das Kap und wie zum Lohn reisst die Wolkendecke auf und lässt uns an der Sonne einwenig Wärme tanken. Selten waren wir so glücklich, das Ziel einer Wanderung erreicht zu haben. Auf dem Rückweg haben wir mehr Glück mit dem Wetter. Aber die Flüsse, die wir direkt an der Mündung ins Meer durchqueren müssen, reichen uns nicht wie beim Hinweg bis zu den Knien sondern bis zu den Hüften. Die Flut, die vom Meer her den Fluss aufstaut, scheint wieder erwarten höher zu sein, als beim Hinweg. Nach fünf Tagen voller Euphorie und emotionaler Tiefpunkten sind wir zurück in der Zivilisation. Für einige Tage waren wir die südlichsten Menschen auf dem Amerikanischen Festland. Selten haben wir uns bisher der Zivilisation ferner gefühlt als hier, auf der einen Seite das Meer, auf der anderen ein undurchdringlicher Wald und dazwischen wir, die uns gegenseitig Motivierten und zum weitergehen überredeten und uns manchmal verloren fühlten in der Unendlichkeit der Wildnis.

Argentinien, Ushuaia, Anfang Januar 2026
Nach wunderschönen Tagen in Chile geht es für uns weiter ans Ende der Welt, nach Ushuaia. Die Argentinische Stadt gilt als südlichste der Welt, weiter kommt man mit dem Auto nicht. Wir freuen uns am „Ende der Welt“ zu sein im Wissen, dass Ushuaia nicht das Ende für unsere Reise ist, sondern ein grosser Meilenstein. Das begiessen wir mit Bier und guten Essen, viel mehr hat die Stadt neben unzähligen Souvenirläden nicht zu bieten. Der Reiz der umliegenden Berge ist für uns um ein vielfaches grösser und so zieht es uns bereits nach einem Tag wieder aus der Stadt.
Weil bei uns allerdings selten etwas so kommt, wie wir es geplant haben, muss die erste Wanderung noch auf sich warten lassen. Starker Rauch, der von der Kühlerhaube aufsteigt, zwingt uns erst einmal zum nächsten Mechaniker. Es stellt sich heraus das eine Leitung der Servolenkung gebrochen ist. Ob sich das Ersatzteil organisieren lässt, haben wir nicht einmal geklärt. In Südamerika werden Autoteile selbstverständlich Repariert.
Der Zwischenfall hält uns nicht lange auf und wir lassen uns eine Woche lang von einer vielfältige Gegend mit vergletscherten Gipfeln, saftigen Mooren und wildem Meer begeistern.

Chile, Bootsfahrt Caleta Maria, Ende Dezember 2025
Als wir den Darwin Gletscher auf der Karte das erste mal sehen beginnen unsere Augen zu glänzen. Verwinkelt und riesengross findet er bei diversen Fijorden seinen Weg ins Meer. So schnell wir ihn auf der Karte entdeckt haben, wird uns auch klar, dass es gar nicht ganz so einfach ist ihn mit Auto oder zu Fuss zu Gesicht zubekommen. So entschliessen wir spontan in Caleta Maria eine Bootstour zumachen. Die anderen Touristen, die auch für die Ausfahrt angemeldet waren, haben den langen Anfahrts Weg wohl unterschätzt und so brechen wir nach kurzem warten alleine mit Juan auf.
Juan war sein Leben lang Fischer und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Da die Gletscher die letzten Tage wegen dem vielen Regen stark gekalbert haben, kommen wir mit dem Boot nicht ganz so weit wie üblich in die Fijorde hinein. Kurz macht sich Enttäuschung breit, als wir dann aber komplett umschlossen von kleinen Eisschollen vor uns hin tukern und wir einen Moment der absoluten Stille im Eismeer erleben, ist diese wie weggeblasen.
Auf dem Weg zurück statten wir den Seeelefanten einen Besuch ab und werden danach von Juan und seiner Familie zum Grillen eingeladen. Randvoll von Eindrücken und gutem Essen sinken wir noch mit Tageslicht ins Bett.

Chile, Feuerland, Ende Dezember 2025

Argentinien, Atlantikküste, Mitte Dezember 2025
Da der Wetterbericht in den Anden für die nächste Woche schlecht ist, beschliessen wir einen Abstecher ans Meer zu machen und uns diesen Teil der Anden für später aufzuheben. Am Meer suchen wir aber nicht perfekte Badestrände, sondern Pinguine, die um diese Jahreszeit an der Küste von Argentinien brüten.
Zuerst besuchen wir den kleinen Nationalpark Monte Leon, wo wir neben den Magellanpinguinen auf viele andere Overlander treffen. Es ist schön sich wieder mal mit anderen Reisenden auf Deutsch auszutauschen.
Von den kleinen Frack Träger sind wir so angetan, dass wir gleich weiter zum Cabo Virgenes fahren. Hier ist die zweitgrösste Magellan Pinguinen Kolonie von Argentinien zuhause. Weil diese nur über eine 120 km lange Schotterpiste erreicht werden kann, steht unser Auto währen 2 Tagen meist alleine auf dem Parkplatz. Wir werden aber gleich bei der Ankunft für unsere Strapazen belohnt, als wir einen Königspinguin mitten in den kleineren Magellanpinguinen entdecken. Dieser scheint nicht nur uns aufzufallen, denn zeitweise muss er sich mit gezielten Flossenschläge gegen die neugierigen Magellanpinguine verteidigen.
Die Neugier der Pinguine bekommen auch wir zu spüren. Die ganz mutigen Pinguine picken uns sogar an den Schuhen, als wir ganz ruhig am Strand sitzen.
Als wir nach zwei Nächten auf dem Parkplatz weiter wollen, staunen wir nicht schlecht, als wir zwei Pinguine unter unserem Auto entdecken. Man würde vermuten, die watscheln sicher schnell davon, falsch gedacht. Es hat etwa 10 Minuten und einige Tricks gebraucht, um die frechen Tiere unter unserem Auto hervor zu locken.

Argentinien, Nationalpark Perito Moreno, Mitte Dezember 2025
Der Natonalpark Perito Moreno liegt abgelegen und relativ unberührt in den Ausläufern der Anden. Hier lassen wir „Walti“ für einige Tage stehen und tauschen unser bequemes Bett im Bus gegen eine Matratze in einer der vielen unbewarteten Hütten oder fixen Zelte im Park.
Fünf Tage wandern wir von Hütte zu Hütte, immer in Sichtweite vom tiefblauen Lago Belgrano.
Hier erleben wir das erste mal das ganze Repertoire von patagonischem Wetter. Innerhalb von wenigen Tagen wandern wir in milden Temperaturen durch den Wald und stolpern durch einen Scheestrum. Nur der Wind bläst ununterbrochen mit Böen von bis zu Hundert Stundenkilometer. Das Wetter lässt sich aber gut aushalten wenn man weiss, dass eine trockene Hütte mit Holzofen auf einen wartet.
Nach einem Tag, wir sind nach einem Schneeturm bis auf die Knochen durchgefroren, hat es nur noch in einem Zelt in der Nähe der Hütte einen Platz zum Schlafen. Zum Glück sind die zwei, die eine Reservation im Refugio haben, unkompliziert und so verbringen wir den ganzen Abend vor dem warmen Kanonenofen. Im Refugio, das eigentlich nur für drei Personen ausgelegt ist,
herrscht bald ein buntes Durcheinander und jede durchnässte Person wird herzlich empfangen, bis wir am Ende zu neunt in der kleinen Hütte sitzen. Alle schwatzen auf spanisch durcheinander und wir, etwas überfordert, mittendrin. Für uns Schweizer ist es beeindruckend zu sehen, wie sich eine Gruppe wildfremder Leute schon nach fünf Minuten wie an einem Familienfest aufführen.


















































































































