Reiseblog Südamerika
Argentinien, Mendoza, Ende Oktober 2025

Chile, Desierto Florido, Mitte Oktober 2025
Wenn wir, die kaum eine Lilie von einer Orchidee unterscheiden können, wegen ebensolchen total aus dem Häuschen sind, muss was im Busch sein. Oder, wie in unserem Fall, im Kaktusstrauch. Denn normalerweise ist in dieser Region von Chile nur Staubtrockene Wüste. Die farbenprächtige Ausnahme bildet gerade „Desierto Florido“, auf Deutsch die „blühende Wüste“. Das Phänomen tritt etwa alle fünf bis zehn Jahre auf, wenn im Winter in der kargen Atacamawüste genug Regen gefallen ist. Dann wachsen all die Samen und Knollen, die über Jahre im Sand auf ihren Auftritt gewartet haben, und verwandeln die Wüste in ein Blumenmeer.
Wir aber müssen erst einmal nach der Blumenpracht suchen. Im „Parque Nacional Desierto Florido“ finden wir zwar schöne Landschaften, aber von überbordender Flora fühlen wir uns hier weit entfernt. Blöd gelaufen, da richtet man extra einen Natonalpark ein, und der Regen kommt trotzdem wo er will.

Chile, Mitte Oktober 2025

Argentinien/Chile, Paso San Francisco, Mitte Oktober 2025
Wir möchten heute ausnahmsweise mal früh los, um über einen der rar gesäten Andenpässe nach Chile zu kommen. Nur einer scheint etwas gegen diese Idee zu haben. Walti weigert sich schlicht, den Motor anzuwerfen, auch nicht beim x-ten Versuch. Dann eben nicht, so haben wir Zeit, den Flamingos ein Besuch abzustatten. Wir kennen das Problem schon zu gut und haben vorgesorgt. In der Höhe, wenn es kalt wird stellen wir das Auto immer mit der Haube zur Morgensonne hin. Wenn der Motor mal wieder nicht läuft, können wir die Haube öffnen und den Motor von der Sonne vorheizen lassen . Eine Stunde später ist auch Walti bereit und wir können los Richtung Grenze. Den Grenzposten von Argentinien erreichen wir nach wenigen Minuten, der eigentliche Pass ist aber noch 20km entfernt. Oben angekommen geniessen wir die unglaublich schöne Berglandschaft, schwimmen im arschkalten und salzigen Bergsee und wärmen uns danach in einer heissen Quelle wieder auf. Nach weiteren 110km erreichen wir den Grenzposten von Chile. Schon komisch, dass zwischen den Grenzposten über 130km liegen. Vielleicht lies sich ganz einfach niemanden finden, der bereit war auf dem 4‘700 Meter hohen Pass, zu arbeiten.

Argentinien, Puna, Anfang Oktober 2025

Argentinien, Mina Julia, Ende September 2025
Wir schaukeln weiter durch die Puna im norden Argentiniens. Die Gegend ist von absurden Landschaften, einsamer Natur, aber auch dem Bergbau geprägt. Immer wieder sehen wir auf den Salzseen Lithiumminen oder es donnern ganze Konvois von Lastwagen auf manchmal überraschend guten Schotterpisten an uns vorbei. Irgendwann, schon Tagelang sind wir seit der letzen Ortschaft unterwegs, kommen wir beim Dorf „La Casualidad“ vorbei. Etwa 3’000 Menschen, Arbeiter mit ihren Familien, lebten hier und haben in der 25 Kilometer entfernten „Mina Julia“ auf über 5’000 Meter Schwefel abgebaut. Ganz nach argentinischer Manier wurde nach der Schliessung der Miene in den 70er Jahren schlicht alles stehen und liegen gelassen. Heute haben wieder Vicuñas und Füchse im Ort das sagen, die spuren des Bergebaus weder aber noch langezeit sichtbar bleiben. Und vermutlich werden die „Mina Julia“ und das Dorf noch für eine lange Zeit mit einer feinen, gelben Linie verbunden bleiben, dort wo einst die Transportseilbahn den feinen Schwefelstaub verloren hat.

Argentinien, Puna, Mitte September 2025

Argentinien, Puna, September 2025
Kurz vor der Bolivianischen Grenze biegen wir von der Quebeada Humahuaca Richtung Puna ab, eine bergige Wüste in den Anden. Die Puna ist vor allem eines: Extrem. Das in vielerlei Hinsicht, kalt und hoch, trocken und windig, einsam und abgelegen. Am meisten aber ist die Wüste extrem schön. Dort testen wir, mal mehr und mal weniger freiwillig, unsere Grenzen aus.
Wie tiefe Temperaturen halten Sarah und Jan im Zelt aus? -20 C, die vielen Flamingos, die wir am nächsten Tag sahen, halfen aber ganz gut, die eher Schlaflose Nacht zu verdauen.
Wie niedrig kann die Luftfeuchtigkeit sein? 0%, unsere Schleimhäute haben es uns allen mit Nasenbluten gedankt.
Auf welche Höhe können wir„Walti“ prügeln? 4‘965 m.ü.M, was uns nach den Problemen mit dem Motor, die wir am Anfang der Reise noch hatten, zugegebenermassen überrascht hat.
Wie hoch schaffen wir es aus eigener Kraft? 5‘170 m.ü.M, einige von uns schwörten sich noch auf dem Gipfel, dass dies der letzte Fünftausender sei.
Gegen Ende liessen wir die gemeinsame Zeit auf niedrigeren Höhen und bei gemütlicheren Temperaturen, aber nicht weniger schönen Landschaften ausklingen.































































































































