Reiseblog Südamerika
Argentinien, Atlantikküste, Mitte Dezember 2025
Da der Wetterbericht in den Anden für die nächste Woche schlecht ist, beschliessen wir einen Abstecher ans Meer zu machen und uns diesen Teil der Anden für später aufzuheben. Am Meer suchen wir aber nicht perfekte Badestrände, sondern Pinguine, die um diese Jahreszeit an der Küste von Argentinien brüten.
Zuerst besuchen wir den kleinen Nationalpark Monte Leon, wo wir neben den Magellanpinguinen auf viele andere Overlander treffen. Es ist schön sich wieder mal mit anderen Reisenden auf Deutsch auszutauschen.
Von den kleinen Frack Träger sind wir so angetan, dass wir gleich weiter zum Cabo Virgenes fahren. Hier ist die zweitgrösste Magellan Pinguinen Kolonie von Argentinien zuhause. Weil diese nur über eine 120 km lange Schotterpiste erreicht werden kann, steht unser Auto währen 2 Tagen meist alleine auf dem Parkplatz. Wir werden aber gleich bei der Ankunft für unsere Strapazen belohnt, als wir einen Königspinguin mitten in den kleineren Magellanpinguinen entdecken. Dieser scheint nicht nur uns aufzufallen, denn zeitweise muss er sich mit gezielten Flossenschläge gegen die neugierigen Magellanpinguine verteidigen.
Die Neugier der Pinguine bekommen auch wir zu spüren. Die ganz mutigen Pinguine picken uns sogar an den Schuhen, als wir ganz ruhig am Strand sitzen.
Als wir nach zwei Nächten auf dem Parkplatz weiter wollen, staunen wir nicht schlecht, als wir zwei Pinguine unter unserem Auto entdecken. Man würde vermuten, die watscheln sicher schnell davon, falsch gedacht. Es hat etwa 10 Minuten und einige Tricks gebraucht, um die frechen Tiere unter unserem Auto hervor zu locken.

Argentinien, Nationalpark Perito Moreno, Mitte Dezember 2025
Der Natonalpark Perito Moreno liegt abgelegen und relativ unberührt in den Ausläufern der Anden. Hier lassen wir „Walti“ für einige Tage stehen und tauschen unser bequemes Bett im Bus gegen eine Matratze in einer der vielen unbewarteten Hütten oder fixen Zelte im Park.
Fünf Tage wandern wir von Hütte zu Hütte, immer in Sichtweite vom tiefblauen Lago Belgrano.
Hier erleben wir das erste mal das ganze Repertoire von patagonischem Wetter. Innerhalb von wenigen Tagen wandern wir in milden Temperaturen durch den Wald und stolpern durch einen Scheestrum. Nur der Wind bläst ununterbrochen mit Böen von bis zu Hundert Stundenkilometer. Das Wetter lässt sich aber gut aushalten wenn man weiss, dass eine trockene Hütte mit Holzofen auf einen wartet.
Nach einem Tag, wir sind nach einem Schneeturm bis auf die Knochen durchgefroren, hat es nur noch in einem Zelt in der Nähe der Hütte einen Platz zum Schlafen. Zum Glück sind die zwei, die eine Reservation im Refugio haben, unkompliziert und so verbringen wir den ganzen Abend vor dem warmen Kanonenofen. Im Refugio, das eigentlich nur für drei Personen ausgelegt ist,
herrscht bald ein buntes Durcheinander und jede durchnässte Person wird herzlich empfangen, bis wir am Ende zu neunt in der kleinen Hütte sitzen. Alle schwatzen auf spanisch durcheinander und wir, etwas überfordert, mittendrin. Für uns Schweizer ist es beeindruckend zu sehen, wie sich eine Gruppe wildfremder Leute schon nach fünf Minuten wie an einem Familienfest aufführen.

Argentinien, Patagonische Steppe, Anfang Dezember 2025
Wie mit dem Lineal gezogen, führt die schnurgerade Strasse durch die Pampa. Wir feiern jeden kümmerlichen Busch, der den harschen Bedingungen trotzt. Stundenlang fahren wir so durch die Steppe, die Räder immer leicht eingelenkt, um dem ewigen Wind entgegenzuhalten. Was nicht sehr einladend klingt, stellt sich für uns als grossen Spass heraus. Wir geniessen die Weite, die endlose Steppenlandschaft, die vor dem verstaubten Fenster an uns vorbei zieht. Es ist die Einsamkeit, die uns so fasziniert. Es bleibt uns Zeit in einem Hörbuch zu versinken oder einfach seinen Gedanken nachzuhangen. Den einzigen Lebewesen, denen wir hier begegnen sind Guanakos, eine Art wild lebender Lamas, und den Südamerikanischen Straussen, die hier Nandus genannt werden. Zu tausenden ziehen die Tiere durch die Steppe und reagieren mit Verwunderung auf unser Vorbeikommen, so als ob hier selten ein Auto passieren würde.
So gondeln wir dahin, auf löcherigem Asphalt oder Wellblechpisten, bis wir irgendwo eines unserer Ziele erreichen und schlagartig aus unsere Versunkenheit gerissen werden. Denn in dieser kargen Umgebung verstecken sich oft unerwartet beeindruckende Landschaften.

Argentinien, Seengebiet, November 2025
Patagonien, der Name dieser riesengrossen Region im Süden Argentiniens und Chile, klingt in unseren Ohren schon fast nach einem Versprechen. Ein Versprechen nach wilder Natur, Einsamkeit und Abenteuer. Entsprechend gross war unsere Freude als wir das Seengebiet, für uns das Eingangstor nach Patagonien, erreichten. Hier merkten wir aber das erst mal, dass Natur in Südamerika nicht immer einfach für alle frei zugänglich ist. Wanderwege starten in der Regel hinter einer Bezahlschranke oder sind auch mal ohne Grund geschlossen. Dazukommt, dass Eigenverantwortung hier in den Bergen oft ein Fremdwort ist und so endete eine geplante zweitägige Hochtour auf den Vulkan Lanin für uns bereits bei der Rangerstation. Dort mussten wir unsere Gletscherausrüstung vorzeigen, aber ohne ein Funkgerät um mit den Ranger*innen vom Nationalpark schwatzen zu können, wurden wir nicht weiter gelassen.
Als dann auch noch das sonst schon Touristische Bariloche, wegen einem Feiertag total überlaufen war, stand für uns fest, diese Region wird nicht zu einem unserer Reisehighlight.
Aber auch das gehört zum Reisen dazu und darum haben für solche Fälle ein Rezept: Wir ziehen weiter. Denn ein Ort der uns begeistern kann, lauert in Südamerika hinter jeder Ecke. Nach kurzem Hadern fuhren wir also weiter und wurden nicht enttäuscht.

Argentinien, Volcan Copahue, Anfang November 2025

Argentinien, Mendoza, Ende Oktober 2025

Chile, Desierto Florido, Mitte Oktober 2025
Wenn wir, die kaum eine Lilie von einer Orchidee unterscheiden können, wegen ebensolchen total aus dem Häuschen sind, muss was im Busch sein. Oder, wie in unserem Fall, im Kaktusstrauch. Denn normalerweise ist in dieser Region von Chile nur Staubtrockene Wüste. Die farbenprächtige Ausnahme bildet gerade „Desierto Florido“, auf Deutsch die „blühende Wüste“. Das Phänomen tritt etwa alle fünf bis zehn Jahre auf, wenn im Winter in der kargen Atacamawüste genug Regen gefallen ist. Dann wachsen all die Samen und Knollen, die über Jahre im Sand auf ihren Auftritt gewartet haben, und verwandeln die Wüste in ein Blumenmeer.
Wir aber müssen erst einmal nach der Blumenpracht suchen. Im „Parque Nacional Desierto Florido“ finden wir zwar schöne Landschaften, aber von überbordender Flora fühlen wir uns hier weit entfernt. Blöd gelaufen, da richtet man extra einen Natonalpark ein, und der Regen kommt trotzdem wo er will.

Chile, Mitte Oktober 2025

Argentinien/Chile, Paso San Francisco, Mitte Oktober 2025
Wir möchten heute ausnahmsweise mal früh los, um über einen der rar gesäten Andenpässe nach Chile zu kommen. Nur einer scheint etwas gegen diese Idee zu haben. Walti weigert sich schlicht, den Motor anzuwerfen, auch nicht beim x-ten Versuch. Dann eben nicht, so haben wir Zeit, den Flamingos ein Besuch abzustatten. Wir kennen das Problem schon zu gut und haben vorgesorgt. In der Höhe, wenn es kalt wird stellen wir das Auto immer mit der Haube zur Morgensonne hin. Wenn der Motor mal wieder nicht läuft, können wir die Haube öffnen und den Motor von der Sonne vorheizen lassen . Eine Stunde später ist auch Walti bereit und wir können los Richtung Grenze. Den Grenzposten von Argentinien erreichen wir nach wenigen Minuten, der eigentliche Pass ist aber noch 20km entfernt. Oben angekommen geniessen wir die unglaublich schöne Berglandschaft, schwimmen im arschkalten und salzigen Bergsee und wärmen uns danach in einer heissen Quelle wieder auf. Nach weiteren 110km erreichen wir den Grenzposten von Chile. Schon komisch, dass zwischen den Grenzposten über 130km liegen. Vielleicht lies sich ganz einfach niemanden finden, der bereit war auf dem 4‘700 Meter hohen Pass, zu arbeiten.




































































































