Argentinien, Patagonische Steppe, Anfang Dezember 2025
Wie mit dem Lineal gezogen, führt die schnurgerade Strasse durch die Pampa. Wir feiern jeden kümmerlichen Busch, der den harschen Bedingungen trotzt. Stundenlang fahren wir so durch die Steppe, die Räder immer leicht eingelenkt, um dem ewigen Wind entgegenzuhalten. Was nicht sehr einladend klingt, stellt sich für uns als grossen Spass heraus. Wir geniessen die Weite, die endlose Steppenlandschaft, die vor dem verstaubten Fenster an uns vorbei zieht. Es ist die Einsamkeit, die uns so fasziniert. Es bleibt uns Zeit in einem Hörbuch zu versinken oder einfach seinen Gedanken nachzuhangen. Den einzigen Lebewesen, denen wir hier begegnen sind Guanakos, eine Art wild lebender Lamas, und den Südamerikanischen Straussen, die hier Nandus genannt werden. Zu tausenden ziehen die Tiere durch die Steppe und reagieren mit Verwunderung auf unser Vorbeikommen, so als ob hier selten ein Auto passieren würde.
So gondeln wir dahin, auf löcherigem Asphalt oder Wellblechpisten, bis wir irgendwo eines unserer Ziele erreichen und schlagartig aus unsere Versunkenheit gerissen werden. Denn in dieser kargen Umgebung verstecken sich oft unerwartet beeindruckende Landschaften.
Argentinien, Seengebiet, November 2025
Patagonien, der Name dieser riesengrossen Region im Süden Argentiniens und Chile, klingt in unseren Ohren schon fast nach einem Versprechen. Ein Versprechen nach wilder Natur, Einsamkeit und Abenteuer. Entsprechend gross war unsere Freude als wir das Seengebiet, für uns das Eingangstor nach Patagonien, erreichten. Hier merkten wir aber das erst mal, dass Natur in Südamerika nicht immer einfach für alle frei zugänglich ist. Wanderwege starten in der Regel hinter einer Bezahlschranke oder sind auch mal ohne Grund geschlossen. Dazukommt, dass Eigenverantwortung hier in den Bergen oft ein Fremdwort ist und so endete eine geplante zweitägige Hochtour auf den Vulkan Lanin für uns bereits bei der Rangerstation. Dort mussten wir unsere Gletscherausrüstung vorzeigen, aber ohne ein Funkgerät um mit den Ranger*innen vom Nationalpark schwatzen zu können, wurden wir nicht weiter gelassen.
Als dann auch noch das sonst schon Touristische Bariloche, wegen einem Feiertag total überlaufen war, stand für uns fest, diese Region wird nicht zu einem unserer Reisehighlight.
Aber auch das gehört zum Reisen dazu und darum haben für solche Fälle ein Rezept: Wir ziehen weiter. Denn ein Ort der uns begeistern kann, lauert in Südamerika hinter jeder Ecke. Nach kurzem Hadern fuhren wir also weiter und wurden nicht enttäuscht.

Argentinien, Volcan Copahue, Anfang November 2025

Argentinien, Mendoza, Ende Oktober 2025

Chile, Desierto Florido, Mitte Oktober 2025
Wenn wir, die kaum eine Lilie von einer Orchidee unterscheiden können, wegen ebensolchen total aus dem Häuschen sind, muss was im Busch sein. Oder, wie in unserem Fall, im Kaktusstrauch. Denn normalerweise ist in dieser Region von Chile nur Staubtrockene Wüste. Die farbenprächtige Ausnahme bildet gerade „Desierto Florido“, auf Deutsch die „blühende Wüste“. Das Phänomen tritt etwa alle fünf bis zehn Jahre auf, wenn im Winter in der kargen Atacamawüste genug Regen gefallen ist. Dann wachsen all die Samen und Knollen, die über Jahre im Sand auf ihren Auftritt gewartet haben, und verwandeln die Wüste in ein Blumenmeer.
Wir aber müssen erst einmal nach der Blumenpracht suchen. Im „Parque Nacional Desierto Florido“ finden wir zwar schöne Landschaften, aber von überbordender Flora fühlen wir uns hier weit entfernt. Blöd gelaufen, da richtet man extra einen Natonalpark ein, und der Regen kommt trotzdem wo er will.

Chile, Mitte Oktober 2025

Argentinien/Chile, Paso San Francisco, Mitte Oktober 2025
Wir möchten heute ausnahmsweise mal früh los, um über einen der rar gesäten Andenpässe nach Chile zu kommen. Nur einer scheint etwas gegen diese Idee zu haben. Walti weigert sich schlicht, den Motor anzuwerfen, auch nicht beim x-ten Versuch. Dann eben nicht, so haben wir Zeit, den Flamingos ein Besuch abzustatten. Wir kennen das Problem schon zu gut und haben vorgesorgt. In der Höhe, wenn es kalt wird stellen wir das Auto immer mit der Haube zur Morgensonne hin. Wenn der Motor mal wieder nicht läuft, können wir die Haube öffnen und den Motor von der Sonne vorheizen lassen . Eine Stunde später ist auch Walti bereit und wir können los Richtung Grenze. Den Grenzposten von Argentinien erreichen wir nach wenigen Minuten, der eigentliche Pass ist aber noch 20km entfernt. Oben angekommen geniessen wir die unglaublich schöne Berglandschaft, schwimmen im arschkalten und salzigen Bergsee und wärmen uns danach in einer heissen Quelle wieder auf. Nach weiteren 110km erreichen wir den Grenzposten von Chile. Schon komisch, dass zwischen den Grenzposten über 130km liegen. Vielleicht lies sich ganz einfach niemanden finden, der bereit war auf dem 4‘700 Meter hohen Pass, zu arbeiten.

Argentinien, Puna, Anfang Oktober 2025

Argentinien, Mina Julia, Ende September 2025
Wir schaukeln weiter durch die Puna im norden Argentiniens. Die Gegend ist von absurden Landschaften, einsamer Natur, aber auch dem Bergbau geprägt. Immer wieder sehen wir auf den Salzseen Lithiumminen oder es donnern ganze Konvois von Lastwagen auf manchmal überraschend guten Schotterpisten an uns vorbei. Irgendwann, schon Tagelang sind wir seit der letzen Ortschaft unterwegs, kommen wir beim Dorf „La Casualidad“ vorbei. Etwa 3’000 Menschen, Arbeiter mit ihren Familien, lebten hier und haben in der 25 Kilometer entfernten „Mina Julia“ auf über 5’000 Meter Schwefel abgebaut. Ganz nach argentinischer Manier wurde nach der Schliessung der Miene in den 70er Jahren schlicht alles stehen und liegen gelassen. Heute haben wieder Vicuñas und Füchse im Ort das sagen, die spuren des Bergebaus weder aber noch langezeit sichtbar bleiben. Und vermutlich werden die „Mina Julia“ und das Dorf noch für eine lange Zeit mit einer feinen, gelben Linie verbunden bleiben, dort wo einst die Transportseilbahn den feinen Schwefelstaub verloren hat.


















































































































