Autonome Region Kurdisgtan, Irak, April 2021
In Istanbul, der pulsierenden Metropole in der Türkei, sassen wir gemütlich mit einem Holländischen Ehepaar beisammen und plauderten über unsere Reiseerfahrungen. Ein Abstecher von der Türkei nach Irak sei sehr schön gewesen. Halt, Stopp, Irak? Das Irak aus den Nachrichten, das Kriegsgebiet, das haben die bereist? Katastrophentourismus, irgendwie einwenig Pietätlos, und ist das überhaupt Sicher? Das Gebiet sei keineswegs Gefährlich und von Kriegsgebiet kann auch keine Rede sein, werden wir von den beiden aufgeklärt. Ausserdem hat die Autonome Region Kurdistan, so heisst das Gebiet im Norden vom Irak, auch nie Probleme mit religiösen Fanatikern gehabt, haben eine eigene Polizei und eigene Visa-Bestimmungen. Kurzum, Kurdistan gehört zwar offiziell zum Irak, ist aber Autonom. Das hört sich doch super an, sagen wir uns und gesagt, getan, einen Monat später haben wir nach zweieinhalbstündigem Postenlauf von Beamte zu Beamte und zurück, die Einreise nach Kurdistan geschafft.
Im Nachhinein können wir sagen, die beiden Holländer haben nicht zu viel versprochen. Vor allem die schier unfassbare Gastfreundschaft war immer wieder kaum zu glauben. Einmal wurden wir, gemütlich autofahrend und die vielfältige Landschaft bestaunend, noch beim überholen per Handzeichen zu einem gemeinsamen Picknick eingeladen. In Sulaymaniyah, einer Stadt im Südlichen Teil von Kurdistan, wollten wir in einem Park die Nacht verbringen. Inzwischen nicht mehr überrast, sassen wir schon bald auf der Picknickmatte von der Familie Bakr. Auch die dringenden bitten, bei ihnen zu übernachten konnten wir nicht ausschlagen. So kam es, dass wir schlussendlich zwei Nächte im grossen Familienbett genächtigt haben und zum essen in Restaurants, Picknick und unzähligen Tee’s eingeladen wurden. Das Privileg auch nur einmal etwas bezahlen zu dürfen wurde uns dabei aber strickt verweigert. So Stolz, wie der Familienvater uns, seine Gäste aus der Schweiz (oder meint er jetzt doch, wir seien aus Australien?), bei allen Verwandten und Bekannten vorgestellt hat, haben wir trotz allen Einladungen nie ein schlechtes Gewissen bekommen. Unterhalten haben wir uns über zwei Tage mit nur etwa zehn gemeinsamen Englischen oder Kurdischen Wörtern, dafür aber mit um so engagierterem Einsatz von Händen und Füssen.
Weil wir aber nicht nur immerzu Essen und Tee trinken konnten, sind wir auch handfesteren Beschäftigungen nachgegangen. Wir haben Wanderungen unternommen, sind in Seen und Flüsse gehüpft und haben Städte besichtigt.
Nach rund vier Wochen, mussten wir uns auch schon wieder auf den Weg zurück in die Türkei machen. Wir haben uns immer sicher und willkommen gefühlt, aber von wirklichem Frieden und Stabilität sind die Kurden wahrscheinlich noch weit entfernt. Vom offenen Konflikt mit den Türken und Iranern haben wir als Touristen, abgesehen von der starken Militärischen Präsenz und den vielen Sperrgebieten, aber nur wenig gemerkt.

Türkei, Februar bis Mai 2021

Rumänien, Juni 2021

Mexiko City, Mexiko, Ende Juli 2021

Tlaxcala, Mexiko, August 2021
Seit einer Woche sind wir jetzt schon bei der Familie Vasquez in Tlaxcala, im Zentrum Mexikos, untergekommen. Seither haben wir viel in deren Garten gearbeitet, sind mit unseren Gastgebern Enrique und Paulina von Geburtstagsparty zu Geburtstagsparty gezogen und wurden Täglich mit lokalen Leckerbissen verwöhnt.
Aber, wieso zur Hölle reden die jetzt plötzlich von Mexiko? Um das zu erklären müssen wir wohl oder übel ein wenig weiter aushohlen, denn diese Geschichte beginnt schon ein paar Monate früher in der Türkei:
Wir sitzen gemütlich im Bus, die Standheizung sorgt für etwas Wärme und draussen liegt der Schnee knöcheltief. Nachdem wir unseren Nudelauflauf vertilgt haben, wollen wir uns wieder einmal ein paar Gedanken zu unserer weiter Reise machen. Das Ergebnis ist keine Überraschung, aber trotzdem ein wenig deprimierend. Der Iran hat seine Grenzen geschlossen. Ebenso Georgien, Russland und viele weitere Europäische Staaten. Das heisst, die Türkei ist auf dem Weg nach Osten Endstation. Wie also soll unsere Reise weiter gehen? Ohne einen Schritt weiter gekommen zu sein, legen wir uns Schlafen.
Am nächsten Tag treffen wir per Zufall auf andere Reisende, ein Paar aus Altdorf und eine Familie aus Deutschland. Wie sich herausstellt haben nicht nur wir ein Problem mit geschlossenen Grenzen. Aber im Gegensatz zu uns haben die anderen auch schon die Lösung für das Problem. Angeblich haben sämtliche Länder in Mittelamerika seine Tore offen. Mit einigen Umwegen geht es zurück nach Deutschland, wo wir unseren Bus rund vier Monate später mit dem Schiff auf die grosse Reise nach Mexiko schicken. Bis der Bus im Hafen von Veracruz angekommen ist, geniessen wir bei der Familie Vasquez die Zeit, halten den Garten in Schuss und erhalten im Gegenzug tolle Einblicke in die Mexikanische Lebensart.

Veracruz, Mexiko, September 2021
Nach fünf spanenden Wochen bei der Familie Vasquez, verlassen wir Tlaxcala in Richtung Veracruz, wo demnächst das Schiff mit unserem Auto an Bord ankommen sollte. Wir freuen uns, das Land zu entdecken – erst einmal Richtung Norden, um uns den Süden für später aufzusparen. Also nichts wie los, in den Überlandbus nach Veracruz, eine Nacht im Hotel schlafen, am nächsten Tag das Städtchen erkunden und am Abend geht es auf, mit unserem langersehntem Camper das grosse Mexiko zu erkunden. So haben wir uns das Vorgestellt. „Tranquilo, Tranquilo“, hätte sich dabei wohl ein Mexikaner gesagt. Denn die hiesigen Behörden arbeiten gemächlich. Ganze acht Tage später und um etliche graue Haare reicher, ist es dann doch geschafft und wir dürfen das Auto im Hafengelände abholen.Wo das Corona-Bier am kühlsten ist und die Tacos am besten schmecken, das wissen wir jetzt. Viel mehr gab es in Veracruz ja auch nicht zu entdecken. Dass wir statt der gebuchten einen, ganze neun Nächte im Hotel geschlafen haben, quittierte die Rezeptionistin nur mit einem amüsierten Lächeln – eben auch ganz Mexikanisch.

Sierra Gorda, Mexiko, September 2021

Real de Catorce, Mexiko, September 2021

Mexikos Norden, September 2021










































































